Gewalt unter der Geburt

Anlässlich des diesjährigen Internationalen Hebammentages lädt der Hebammenlandesverband Thüringen am 25.05.2016 zu einer Lesung mit Christina Mundlos zu ihrem Buch Gewalt unter der Geburt ein. Gemeinsam mit der Autorin, betroffenen Frauen und anderen Akteuren in der Geburtshilfe stellen sie sich dem häufig tabuisierten Thema!

Kommen Sie am 25.05.2016 18.00 Uhr in das historische Kellergewölbe des Collegium Maius in der Michaelisstraße in 99084 Erfurt.

mundlos

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Netzwerk der Elternintiativen für Geburtskultur – Grundsatzpapier mitzeichnen!

Am 12.03.2016 hat sich in Kassel zum 3. Mal das „Netzwerk der Elternintiativen für Geburtskultur“​ getroffen. Unser Grundsatzpapier findet sich u.a. hier​.

Bis zum 31.3.2016 gibt es die Möglichkeit, als Einzelperson und/oder Organisation mit zu unterzeichen. Dafür reicht eine kurze Email mit Name, Wohnort, gern auch Beruf oder Funktion, an jena@mother-hood.de​.

Viele Unterschriften machen viel Eindruck!

Gutachten „Hebammenversorgung in Thüringen“

Zuerst ein TLZ-Artikel, der das Gutachten grob zusammenfasst und anschneidet, was der runde Tisch „Geburt und Familie“ (an dem keine Familien sitzen) demnächst behandeln wird: Ausbildungssituation und Versorgungsengpässe, sowie regionale Herausforderungen.

Aus unserer Sicht sind weitere wichtige Fragen, die unbedingt gestellt werden sollten:

  • Wie sollte ein Arbeitsumfeld gestaltet sein, das Frauen dazu einlädt, ihre Tätigkeit als Hebamme auch nach der Ausbildung weiter auszuüben?
  • Weshalb sind freiberuflich tätige Hebammen deutlich zufriedener mit ihrer Tätigkeit als angestellt tätige Hebammen?

Statt an den Symptomen zu spielen, sollte der Ursache nachgegangen werden!

Und hier sind aus unserer Sicht wichtige Punkte des Gutachtens:

Kurz: Für Schwangerenvorsorge, Geburtsvorbereitung, Geburtsbegleitung in 1:1-Betreuung, Wochenbettbetreuung, Rückbildungskurse und Familienhebammen ist in Thüringen der Bedarf deutlich höher als das Angebot, das sich in den kommenden Jahren nochmals deutlich reduzieren wird, während besonders in den Großtädten die Nachfrage danach steigen wird.

Länger:

Vorgehen

  • 167 Hebammen wurden befragt, davon sind 87 ausschließlich freiberuflich tätig, 70 freiberuflich und angestellt und 10 ausschließlich angestellt. Der Rücklauf liegt unter 50%, es gab seitens der Hebammen große Schwierigkeiten bei der Auslegung (uns aus Gesprächen bekannt ist, dass sich die Hebammen teilweise in den Fragen oder Kategorien nicht wiederfanden, da diese an ihrer Arbeitswirklichkeit vorbei gingen). Schätzungsweise hat Thüringen ca. 380 Hebammen.
  • 1775 Mütter die 2014 geboren haben wurden befragt.
    Geburtskliniken und Ausbildungsstätten wurden befragt.
  • Es wurden diverse andere Daten zusammengetragen, u.a. Abrechnungsdaten der AOK Plus (das ist aber nur eingeschränkt aussagekräftig, da Hebammen 4 Jahre Zeit haben, eine erbrachte Leistung abzurechnen).

Geburtenentwicklung

  • ist seit 15 Jahren relativ stabil um 17.500 Geburten.
  • Die Anzahl Frauen im gebärfähigen Alter ist in den letzten 15 Jahren mit 15,3% deutlich stärker gesunken als im Bundesdurchschnitt, in den Landkreisen mit 38% stärker als in den kreisfreien Städten mit 18%. Nur in Jena stieg sie um 4%.
  • Die Geburtenzahlen sind in letzten 15 Jahren in den kreisfreien Städten angestiegen (Jena 49,2%, Erfurt 23%, Weimar 5,3%).
  • Die Geburtenzahl sind in den letzten 15 Jahren in den Landkreisen um 6,8% gesunken, in manchen Landkreisen fast um 25%.
  • Bis 2020 wird die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter weiter sinken, außer in Jena (+3%) und Erfurt (+4%) – dort werden also auch die Geburtenzahlen steigen.
    → Bedarf an Hebammenleistungen wird in den kreisfreien Städten steigen und den Landkreisen sinken

Hebammen

  • Für ca. 50% der Geburten in den Kliniken kann keine 1:1-Betreuung gewährleistet werden. In manchen Kliniken kann keine kontinuierliche Kreißsaalbesetzung gewährleistet werden. In 85% der Kliniken führen Hebammen fachfremde Tätigkeiten aus (Bestellung, Reinigung, Pflege, Assistenz bei Operationen).
  • Auf die Landkreise entfallen 71% der Geburten, verglichen damit ist das Leistungsangebot der Hebammen in den kreisfreien Städten stärker ausgeprägt als in den Landkreisen.
  • In den letzten 2 Jahren ist der Anteil ausschließlich angestellt tätiger Hebammen um 38% gesunken und der Anteil freiberuflich tätiger Hebammen um 13% gestiegen.
  • In den Kliniken gibt es viele offene Hebammenstellen, deren Besetzung schwierig ist, u.a. da die Anzahl der Bewerbungen abnimmt.
  • Auf die vorhandenen Ausbildungs- und Studienplätze gibt es ausreichend Bewerbungen. Es ist schwer, Personal für die Lehre zu finden, da sie hohe Anforderungen erfüllen müssen, aber ein „nicht attraktives“ Entgelt erhalten. Es gibt zu wenig Praktikumskliniken.
  • Drei Viertel der Hebammen in Thüringen sind über 40 Jahre alt, ein Drittel über 50. Ca. 10% der Hebammen haben unter 6 Jahren Berufserfahrung, fast zwei Drittel haben mehr als 16 Jahre.
  • Die meisten Hebammen haben Wochenarbeitszeiten von deutlich über 40 Stunden. 58% der angestellt tätigen und 60% der freiberuflich tätigen Hebammen gaben an, dass ihre Wochenarbeitszeit stark gestiegen ist. Über die Hälfte aller Hebammen denkt darüber nach, ihren Beruf aufzugeben oder ihre Arbeitszeit zu reduzieren, Gründe sind vor allem zu viel Arbeit, zu hohe Arbeitszeit, zu geringes Einkommen. Das Einkommen aller Hebammen stieg in den letzten Jahren. Die Daten erlauben keine Rückschlüsse, ob Änderungen der finanziellen Situation der Hebammen auf verlängerte Arbeitszeit oder bessere Vergütung zurückzuführen sind.
  • 72% der freiberuflich tätigen Hebammen sind mit ihrer Arbeit zufrieden und nur 55% der angestellt tätigen Hebammen. 80% der Hebammen sind mit ihren Arbeitszeiten unzufrieden. Für ein Drittel der Hebammen ist es schwierig, ihren familiären Verpflichtungen nachzukommen. Für die Mehrheit der Hebammen ist die Begleitung einer Geburt der wesentliche Bestandteil des Hebammenberufes.
  • 94% der freiberuflich tätigen und 71% der angestellt tätigen Hebammen finden ihre Tätigkeit abwechslungsreich und interessant. 71% der freiberuflich tätigen und nur 20% der angestellt tätigen Hebammen stimmen der Aussage zu, dass sie selbst bestimmen können, auf welche Art und Weise sie ihre Arbeit erledigen. 84% der freiberuflich tätigen und nur 50% der angestellt tätigen Hebammen stimmen der Aussage zu, dass sie bei ihrer Tätigkeit neues lernen und sich beruflich weiterentwickeln können.
  • 23% der Hebammen haben eine Ausbildung zur Familienhebamme. Auf Bedarf einer Unterstützung durch Familienhebammen wird die Hebamme vorrangig durch die Familien selbst oder ihre Tätigkeit in den Familien aufmerksam (→ aufsuchende Betreuung sehr wichtig).
  • Geburtsvorbereitungskurse, Schwangerenbetreuung, Rückbildungskurse, Familienhebamme, Geburt in 1:1-Betreuung, werden vorrangig von ausschließlich freiberuflich tätigen Hebammen bedient. Wochenbettbetreuung wird von freiberuflich tätigen Hebammen bedient. Bis zu einem Drittel der Hebammen haben 2014 bestimmte Leistungen nicht mehr angeboten, insbesondere Geburtsvorbereitung , Rückbildung, Geburt in 1:1-Betreuung und Familienhebamme, Grund ist vorrangig fehlende Rentabilität der Leistungen. Für Familienhebamme, Geburtsvorbereitung, Geburt in 1:1-Betreuung, Wochenbettbetreuung, Rückbildung ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot. Dies sind auch die Bereiche, in denen bis zu 50% der Hebammen eine weitere Einschränkung ihres Angebots planen.

Mütterbefragung

  • Die Hälfte der Befragten waren Erstgebärende.
    Ein Viertel fühlte sich nicht ausreichend über die Möglichkeit einer außerklinischen Geburt informiert. Ein Viertel fühlte sich nicht ausreichend über die Erstattung von Hebammenleistungen durch Krankenkassen informiert.
  • Ein Drittel der Befragten nahm in ersten Trimester das erste Mal Kontakt zu einer Hebamme auf, zwei Drittel danach. Mehr als ein Drittel der Frauen hat mehr als eine Hebamme kontaktiert.
  • 70% nahmen individuelle Schwangerenbetreuung durch eine Hebamme in Anspruch. Die Mehrheit der Frauen hatte in der Schwangerschaft mehr als 5 persönliche Kontakte mit der Hebamme. 90% aller Frauen empfanden die Kontakthäufigkeit als genau richtig.
  • Über 90% der Frauen waren mit ihrer individuellen Schwangerenbetreuung zufrieden, besonders wichtig war die ständige Erreichbarkeit für Fragen und Probleme und die ausführliche Beantwortung von Fragen, sowie die individuelle Beratung. Knapp 20% der Frauen fand es nicht leicht, eine Hebamme für die individuelle Vorsorge zu finden, besonders schwierig war es in Jena, Weimar, dem Ilm-Kreis, Weimarer Land, Sonneberg und Gera. Etwas über 20% wussten nicht, dass Hebammen auch vor der Geburt die Betreuung übernehmen können, sowie dass das von der Krankenkasse bezahlt wird.
  • Mit ihren Vorsorgeuntersuchungen waren 87% der Mütter zufrieden. Gründe für Unzufriedenheit waren schlechte Beratung, zu wenig Zeit, keine Erklärung von Diagnosen, zu viele IGEL-Leistungen, versteckte Kosten und zu lange Wartezeit. Leider wird im Gutachten nicht unterschieden, durch wen die Vorsorge primär durchgeführt wurde. War an der Vorsorge eine Hebamme beteiligt, war die Zufriedenheit der Frauen höher.
  • 6,2% der Mütter hat im Krankenhaus geboren da sie keine Möglichkeit für eine außerklinische Geburt gefunden haben. Frauen, die zukünftige Geburten nicht mehr in der Klinik durchführen wollen, geben als Gründe an, dass die schlechte Erfahrung im Krankenhaus gemacht haben, sie mehr Individualität wünschen, sie die Geburt im Krankenhaus aus unruhig und stressig empfanden, es zu viele medizinische Interventionen gab, und sie nun besser über die Möglichkeit einer außerklinischen Geburt informiert wären. Bis auf eine Ausnahme waren alle Mütter mit ihrer außerklinischen Geburt sehr zufrieden. 50% der Frauen fand es nicht leicht, eine Hebamme für die Betreuung einer außerklinischen Geburt zu finden.
  • 12% der Klinikgeburten fanden mit Beleghebamme in 1:1-Betreuung statt. Gründe für die Nicht-Inanspruchnahme einer Beleghebamme mit 1:1-Betreuung waren fehlende Kenntnis vom Angebot (26,1%), die Klinik hat die Möglichkeit nicht angeboten (21,9%), keine Hebamme gefunden (12,9%).
  • 97,1% der Mütter nahmen eine aufsuchende Wochenbettbetreuung in Anspruch. Hauptgrund für die Nicht-Inanspruchnahme war, dass keine Hebamme gefunden wurde. Als optimal aus Sicht der Frauen sind mindestens 6 Kontakte. Die Mütter sind mit der Wochenbettbetreuung fast durchgehend zufrieden. Besonders wichtig waren ihnen die Tipps der Hebamme, dass die Hebamme sich genug Zeit genommen hat, die Hebamme auf die Wünsche und Bedürfnisse der Frau eingegangen ist. Für 15% der Frauen war es nicht leicht, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung zu finden, insbesondere in Jena, Weimar, Gera, Saale-Holzland-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt, Weimarer Land.
  • 12% der Frauen haben keinen Platz in einem Rückbildungskurs gefunden

Roses Revolution 2015 in Thüringen

Mehrere Thüringer Kliniken haben Rosen bekommen. Eine Aufforderung – an alle Kliniken, an die Politik, an alle Zuständigen – das System der klinischen Geburtshilfe menschenfreundlich und würdevoll zu gestalten und Mitmenschen mit mehr Achtsamkeit zu begegnen.

Universitätsklinikum Jena
Sophien-und-Hufeland-Klinikum Weimar
Helios-Kliniken Erfurt (ein Bericht hier)

Viel zu viele Erlebnisberichte können auf Roses Revolution Deutschland nachgelesen werden. Achtet beim Lesen auf euch!

Roses Revolution Day 2015

Heute ist Roses Revolution Day 2015! Die Neue Osnabrücker Zeitung hat dazu einen wirklich gelungenen Artikel veröffentlicht:

„Es sei schwer nachzuweisen, welche körperliche und seelische Gewalt einer Frau angetan wurde, wenn der Geburtsbericht – vor dem Gericht das entscheidende Dokument – vom Klinikpersonal verfasst wurde, und dieses noch dazu sämtliche Eingriffe mit dem Kindeswohl rechtfertigen würde.“

„(…) es gehe nicht darum, vor bestimmten Kliniken oder Hebammen zu warnen. ‚Hebammen sind nach so schweren Geburten ja oft mit-traumatisiert. Wir sprechen uns daher auch für eine viel bessere ‪#‎Hebammenbetreuung‬ aus.‘

http://www.noz.de/deutschland-welt/gut-zu-wissen/artikel/641150/aktion-roses-revolution-gegen-gewalt-in-der-geburtshilfe

Roses Revolution!

So geht’s:
Legt am 25. November eine rosafarbene Rose vor die Tür, hinter der Ihr Schlimmes während der Geburt Eurer Kinder erfahren musstet – ob es die Kreißsaaltür, der Flur davor oder die Krankenhauslobby ist – egal! Geht nur soweit, wie für Euch gut ist! Wenn Ihr es selbst nicht schafft, könnt Ihr auch eine andere Person für euch schicken.
Wer mag, legt eine kurze Nachricht oder einen Geburtsbericht zu der Rose. Lasst sie wissen: Jede Frau ist eine Rose und verdient Respekt und Achtsamkeit!

Wichtig: Um möglichst viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erregen, bitten wir Euch, ein Foto von der Rose zu machen und dieses dann auf unserer FB-Seite zu posten. Wer anonym bleiben möchte, der schickt uns ein Nachricht und wir posten es dann für Euch unter unserem Profil.
https://www.facebook.com/Roses-Revolution-Deutschland-570332356372331/?fref=nf
Bitte benutzt den Hashtag ‪#‎rosrev‬ – entweder auf FB oder auch auf Twitter.

Wenn ihr in Jena Begleitung wünscht, meldet euch bei uns, über das Kontaktformular oder per Email (jena@mother-hood.de). Wir können auch eure Fotos und/oder Berichte (nicht nur aus Jena) anonym an Roses Revolution weiterleiten.

Neues aus dem Thüringer Landtag

Hier der Antrag der CDU (auf Grundlage unseres Emailverkehrs und des Treffens mit MdL Meißner: http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/dokument/55885/runder-tisch-geburt-und-familie-hebammen-in-th%C3%BCringen-unterst%C3%BCtzen.pdf
Das Thema wurde jetzt an den Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit überwiesen.​

Interviewpartner gesucht!

Eine uns bekannte freie Journalistin aus Leipzig arbeitet an Radiobeiträgen (voraussichtlich für MDR Figaro) rund um das Thema GEBURT und sucht Interviewpartner:

1) Selbstbestimmte, natürliche Geburt
(Für eine längere Sendung, ein Radio-Feature, suche ich eine Schwangere, die dieses Jahr oder spätestens im Januar 2016 außerklinisch gebären möchte. Es geht darum darzustellen, warum sie zuhause bzw. im Geburtshaus gebären möchte und welche Möglichkeiten ihr angesichts der sich verschlechternden Arbeitsbedingungen für freiberufliche Hebammen noch bleiben.)

2) Hebammen geleiteter Kreißsaal
(Die rot-grüne Landesregierung möchte in Thüringen einen solchen Kreißsaal einführen, den es in 18 deutschen Städten und anderen Ländern bereits gibt. Ich suche eine Frau, die in so einem Kreißsaal entbunden hat, z.B. in Berlin, Nürnberg oder Frankfurt.) https://www.hebammenverband.de/index.php?id=2273

3) Roses Revolution Day
(Am 25.11. legen Frauen, die Gewalt in der Geburt erlebt haben, Rosen vor Krankenhäusern und anderen Geburtsorten nieder. Ich suche eine Frau in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen, die über ihre Geburtserfahrungen sprechen möchte.)
http://www.gerechte-geburt.de/home/roses-revolution/

Wenn du Interesse (oder auch erstmal nur Fragen dazu) hast, melde dich kurz bei uns (z.B. jena@mother-hood.de) und wir leiten dich gerne an sie weiter.

Antrag gestellt: Hebammenwesen soll immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe werden

Vor einem halben Jahr hatte die dreifache Mutter Deike Terruhn eine geniale Idee. Nun haben der Deutsche Hebammenverband (DHV), der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) und der gemeinnützige Verein „Hebammen für Deutschland“ (HfD) bei der deutschen UNESCO-Kommission die Aufnahme des Hebammenwesens als immaterielles Weltkulturerbe beantragt.

Überall auf der Welt begleiten Frauen andere Frauen durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Dieses Wissen und Können wurde seit Menschengedenken von Generation zu Generation weitergegeben, verändert, erweitert. Es gehört zu den wichtigsten Kulturgütern der Menschheit. Es dient der Gesundheit von Frauen und Kindern und ermöglicht Eltern einen guten Start als Familie. Es braucht den Schutz als immaterielles Weltkulturerbe!

„Es ist dringend an der Zeit, das Hebammenwesen in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufzunehmen“, fordert Lisa von Reiche, Hebamme und HfD-Vorstandsmitglied. „Wir sind daher sehr dankbar, dass Barbara Hirt vom Elternmagazin kidsgo zusammen mit Deike Terruhn die Initiative ergriffen hat, für uns Hebammen den Antrag vorzubereiten. „Hierzulande droht Hebammenwissen nämlich verloren zu gehen – mit allen Konsequenzen für Frauen, Kinder und Familien. Es gibt viele sehr wichtige Argumente, Hebammenarbeit für die Familien unter besonderen Schutz zu stellen.“

Über 60 Seiten umfasst der Antrag, den Barbara Hirt und Deike Terruhn in enger Zusammenarbeit mit den Hebammenverbänden und dem HfD verfasst haben. “Wir sind stolz und glücklich und wünschen uns sehr, dass auch alle künftigen Schwangeren durch eine dieser wunderbaren weisen Frauen durch die Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und das Wochenbett begleitet werden”, so Barbara Hirt. “Es drohen jahrtausende Jahre altes Wissen und Traditionen zum Wohle und zum Schutz von uns Frauen verloren zu gehen. Einen solchen Einschnitt in elementare Frauenrechte und Frauenangelegenheiten dürfen wir nicht hinnehmen.”

Wir vom Elternprotest drücken ganz fest die Daumen, dass der Antrag angenommen wird!

Weitere Infos:

Kasseler Erklärung: Eltern fordern Reform der Geburtskultur in Deutschland

Die Umsetzung der Menschenrechte im Umfeld der Geburt wird in Deutschland immer weiter erschwert und vielerorts kann nicht einmal mehr eine adäquate Gesundheitsversorgung werdender und junger Mütter gewährleistet werden.

In Kassel versammelten sich am Samstag, dem 10. Oktober 2015 VertreterInnen von zahlreichen Elterninitiativen und Vereinen und engagierte Einzelpersonen aus der gesamten Bundesrepublik zu einem zweiten Treffen des Netzwerks der Elterninitiativen für Geburtskultur. In der Kasseler Erklärung zur Reform der Geburtskultur vom 10. Oktober 2015 verlangen Eltern ein Mandat zur Mitbestimmung und fordern einen Perspektivwechsel hin zu Menschlichkeit in der Geburtshilfe.

Die Erklärung wurde gemeinsam von diversen Organisationen, u.a. Mother Hood e.V. und Geburtshaus und mehr e.V. Jena, verfasst und erstunterzeichnet.

Aus medizinischer Sicht gibt es keine Notwendigkeit für die in Deutschland bestehenden hohen Frühgeburten-, Interventions- und Kaiserschnittraten. Eine angstfreie Schwangerschaft, eine natürliche Geburt mit einer zurückhaltenden Geburtshilfe und eine intensive Betreuung im Wochenbett sind immer seltener die Regel. Eltern, als weitaus größte Interessensgruppe in diesem Konflikt und auch als Treuhänder der Rechte ihrer Kinder, erheben nun ihre Stimme und fordern ihre Rechte ein!

Kasseler Erklärung 10.10.15