Politik schaut der Geburtshilfe beim Sterben zu

+++Unsere aktuelle PM vom 23. September+++

Ab in’s Bett!
Politik schaut der Geburtshilfe beim Sterben zu

Paare, die noch mit der Sicherheit einer Hebammenbegleitung Kinder gebären wollen, sollten wissen: Der Countdown läuft! Nur wer noch heute, bis spätestens zum 7. Oktober, ein Kind zeugt, der kann auf eine Begleitung durch versicherte Hebammen hoffen.

„Die durchschnittliche Dauer einer Schwangerschaft berücksichtigt, läge der mögliche Entbindungstermin dann in etwa bei Ende Juni. Bis dahin laufen die aktuellen Versicherungen der Hebammen. Danach gibt es für freiberufliche Hebammen kaum bis keine akzeptablen Angebote zur Versicherung in der Geburtshilfe“, informiert der Elternprotest Hebammenunterstützung am 23. September.

Ab Juli 2015 wird es nur noch für die über den Deutschen Hebammenverband versicherten Geburtshelferinnen ein Angebot bis 2016 geben. Dies allerdings zu deutlich schlechteren Konditionen als bisher, was bspw. die Haftungssumme angeht. Dafür jedoch erneut einhergehend mit einer Kostensteigerung von rund 20 Prozent. Weiterhin stehen insbesondere jene Hebammen, die sich (noch) der Geburtshilfe verpflichtet fühlen, vor den Scherben ihrer beruflichen Existenz. Jene, die bisher nicht im DHV organisiert waren, werden zu einer Mitgliedschaft förmlich gezwungen.

„Wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe weiter mit der Kunde einer Lösung durch die Lande ziehen kann, ist uns schleierhaft“, wundert man sich beim Elternprotest.
„Die fehlende Haftpflichtversicherung ist lediglich eines von vielen Symptomen des desolaten Zustands der deutschen Geburtshilfe“, betonen die Aktivistinnen.

Faktisch finde man schon heute an (zu) vielen Orten der Republik weder eine Hebamme für die Geburtsbegleitung noch für die Nachsorge. Wobei gerade in letzterem Punkt die Politik nicht müde wird, zu betonen, dass die Betreuung in Wochenbett und Stillzeit nach wie vor gewährleistet sei: „Das sind dreiste Lügen der Politiker oder Ausdruck völliger Unkenntnis der Materie“, stellen die Elternaktivisten fest. Bereits die IGES-Studie mit Daten aus den Jahren vor 2010 weist auf eine Unterversorgung in vielen Gebieten hin. „Diese Studie ist wesentlicher Bestandteil des Abschlussberichtes der Interministeriellen Arbeitsgruppe unter Gröhe“, erläutert der Elternprotest und ergänzt „Niemand kann also behaupten, man kenne die Zahlen nicht. Und die Situation hat sich seither nicht verbessert“. So verweisen die Elternaktivist*innen auf die zahlreichen freien Hebammen, die in einigen Bundesländern den Klinikbetrieb in der Geburtshilfe aufrechterhalten. In Bayern werden nach Angaben des Hebammenverbandes 60 Prozent der Kinder von freien Hebammen während der Geburt begleitet. Sie verweisen außerdem auf die Kliniken in der Fläche mit unter 500 Geburten jährlich, die laut einer Kassenstudie aus 2014 vor dem wirtschaftlichen Aus stehen. In der Bewertung durch die Kassen heißt es u.a., dass „eine optimale Behandlungsqualität höher einzuschätzen sei, als die wohnortnahe Versorgung in dünn besiedeltem ländlichem Raum“.

„Was man bei den Kassen offensichtlich unter optimaler Behandlungsqualität versteht, sehen wir gerade im Norden Deutschlands“. Mit großer Sorge blicken die Aktivist*innen nach Sylt und Ostholstein. Beides Regionen, in denen geburtshilfliche Kliniken bereits geschlossen haben. „Zwei Kinder wurden innerhalb kürzester Zeit in einem Rettungswagen geboren. Die Kaiserschnittrate der Sylterinnen liegt bei fast 100 Prozent mit dramatischen Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind, wie Hebammen aus der Nachsorge berichten“.

Von der Politik fühlen sich die Eltern größtenteils im Stich gelassen: „Nun wissen wir, was die Bundesregierung darunter versteht, wenn sie im Koalitionsvertrag davon spricht, die „Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung mit Geburtshilfe ist uns wichtig“. Die rechnen einfach auch jeden Rettungswagen mit ein!“.

Weiterhin hieß es, man werde „die Situation der Geburtshilfe und der Hebammen beobachten“. „Sie wollen dem ohnehin schon mit Mängeln behafteten System beim Sterben zusehen“, stellt man im Elternprotest fest. „Möge Gott, oder wer auch immer, verhüten, dass es wirklich zu Todesfällen kommt“. Die Statistik arbeite an dieser Stelle traurigerweise gegen die Politik, ergänzen die Eltern.

Sie setzen sich auch künftig für eine sichere Geburtshilfe in Deutschland ein, die die Rechte der Kinder und Frauen auf eine unversehrte Geburt wahrt, und fordern, Elternvertreter mit an die Verhandlungstische zu setzen.

Hinsichtlich der Aufforderung, sich mit der Zeugung doch zu beeilen, setzen die Aktivist*innen augenzwinkernd hinzu: „Natürlich wissen wir, dass es dazu keines Bettes bedarf“. Einer Hebamme bei jeder Geburt jedoch schon.

Weitere Informationen und Ansprechpartner unter: www.hebammenunterstützung.de

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